3.01.2010 / Timo Hetzel

iTunes Connect

iTunes wird in diesen Tagen neun Jahre alt, der iTunes (Music) Store feiert im Frühjahr seinen siebten Geburtstag. Nach außen haben sowohl die Applikation als auch der Store viel dazugelernt: Nach der Musik kamen Podcasts, Fernsehserien, Filme und zuletzt Apps für iPhone und iPod touch.

Intern werden all diese Inhalte aber wie in der ersten Stunde wie Musik behandelt. Die Metadaten in der Applikation und im Store heißen nach wie vor: Album, Interpret, Komponist usw.

Die Schmerzen, die bei der Verwaltung dieser Inhalte in der Applikation damit einhergehen, variieren von Version zu Version, und wurden gerade in iTunes 9 mit den Verbesserungen beim Synchronisieren von externen Geräten etwas gelindert. Gleichzeitig wird mit solchen Updates auch gerne immer mehr Komplexität und Unzuverlässigkeit eingebaut.

Nachdem nun die Undsoversity-App im Store ist, sehe ich zum ersten Mal die andere Seite des Stores. Und hier ist die Alles-ist-Musik-Philosophie natürlich auch quicklebendig und wesentlich schlechter kaschiert als in der Applikation.

Es geht um das Reporting für die Verkäufe von Apps im iTunes Connect-Portal. Im Titel der Seiten steht auch noch unmissverständlich der alte Name “iTunes Label Connect”. Die Schnittstelle also, über die die Plattenfirma/der Entwickler, seine Langspielplatten/Apps in den Store einstellen kann. Links oben angeflanscht ist das Reporting-Modul namens “Piano”, über das sich Statistiken über Downloads und Verkäufe einsehen lassen.

Die Statistiken können in Form von HTML-Previews eingesehen werden (Monthly Free/Weekly/Daily Top 50), oder als CSV-Dateien heruntergeladen werden. Das Support-Dokument warnt schon vorsorglich: Die Zahlen der wöchentlichen Reports müssen nicht mit der Summe der täglichen Reports übereinstimmen.

iTunes Label ConnectDer Firmenname steht unter “Artist / Show” (nicht bei In-App-Purchases), die Musik-spezifischen Felder wie ISRC und ISAN sind natürlich auch vorhanden (und leer), und die Statistik ist unsortiert nach den nationalen App Stores aufgegliedert. Auf einen Blick ist nicht einmal der geschätzte Umsatz für den angezeigten Zeitraum ersichtlich. Meine Stats enthalten zur Zeit nicht mehr als 50 Einträge, aber das dürften viele Anbieter leicht überschreiten. Alle weiteren Einträge fallen unten durch.

Drittanbieter wie appFigures helfen dabei, die Daten sinnvoll auszuwerten. Oder der Entwickler schraubt sich selbst Skripte, um die Zahlen im Auge zu behalten. Doppelt, versteht sich. Irgendwo zwischen den Überschneidungen von wöchentlichen und täglichen Zahlen dürfte sich die Wahrheit ja befinden. Letztendlich maßgeblich ist ohnehin nur der monatliche, selbstverständlich unabhängig von den Piano-Reports erstellte, Financial Report, der weder nach den täglichen oder wöchentlichen Zahlen (Montag-Sonntag) erstellt wird, sondern nach einer Woche von Sonntag bis Montag rechnet, und somit gänzlich unnachvollziehbar ist. Wer ein Päuschen einlegt, hat auch verloren, denn die täglichen Reports löschen sich nach einer Woche, die wöchentlichen nach 13 Wochen.

Update: Der Wahnsinn hat Prinzip. Die Financial Reports werden monatlich generiert, und das Geld so lange gesammelt, bis pro “Currency/Territory” ein Gegenwert von 150 US-Dollar erreicht wird. Das heißt, pro größerer Region wie USA, Kanada, Japan und Europa wird jeweils (!) bis zum Auszahlungsminimum von 150 USD gesammelt und erst dann ausgezahlt. Unter der Annahme, die nationalen Stores erfüllten einen größeren Sinn und Zweck (tun sie zwar nicht, aber nehmen wir es mal an), kann das vermutlich buchhalterisch nachvollzogen werden. Für Klein- und Kleinstentwickler kann das auch bedeuten, dass über Monate mehrere hundert Dollar nicht ausgezahlt werden. Für Entwickler mit größeren Umsätzen ist es zumindest noch extrem unübersichtlich.

Die Reports in iTunes Connect sind sicherlich ein Fortschritt gegenüber dem Zustand zum Anfang des App Stores (da gab es Reports nach Wochen oder Monaten), aber das Problem sitzt tiefer. iTunes kennt nur Musik, und das Reporting läuft scheinbar jetzt schon auf Anschlag. Über die Weihnachtsfeiertage wurde iTunes Connect und das Reporting abgeschaltet, um einen negativen Einfluss des Reportings auf den Store zu vermeiden.

Apple sitzt in einer wunderschönen Zwickmühle: iTunes ist neun Jahre alt und riecht schon etwas komisch. Läuft aber mehr oder weniger und druckt indirekt über den Verkauf von Devices Geld ohne Ende. Eine gründliche Überarbeitung ist aber mehr als überfällig, in der Applikation und im Store. Dazu gehört auch ein zeitgemäßes Reporting, vielleicht sogar mit einer Anbindung externer Dienste wie Google Analytics.