4.02.2010 / Timo Hetzel

iPad-Verhältnisse

Mit den Seitenverhältnissen ist es so eine Sache. Seelisch unausgeglichenen Menschen scheint es mitunter ein Dorn im Auge zu sein, dass sich die Welt nie auf ein wahres, allgemeingültiges Seitenverhältnis für rechteckige Bildinhalte einigen konnte.

ipad-letterboxedFernsehen kommt bis heute oft genug mit 4:3 (1.33:1) aus der Röhre, Kinofilme meist zwischen 1.85:1 und 2.35:1 auf die Leinwand, und mit HD-Fernsehen dank Dr. Kerns irgendwie mit 16:9 (1.78:1) mit mehr oder weniger Beschnitt und/oder schwarzen Letterbox-Balken oder in der einen oder anderen Geschmacksrichtung anamorph auf den Schirm. HDTV ist die Zukunft (schon seit 2005!), und kaum haben wir uns an 16:9 gewöhnt und auch weiterhin als die Zukunft akzeptiert, kommt das iPad von hinten links mit einem 4:3-Display. Warum nur?

Neben der schlechten Verfügbarkeit von IPS-Panels mit 1280×720 Pixeln (16:9) oder 1280×800 (16:10) in der passenden Größe im Bereich um 10″ gibt es einen weiteren einfachen Grund gegen ein breites iPad:

Hochkant würde das 9:16 (0.56:1) bzw 10:16 (0.63:1) ergeben, was elend schmal ist. Schonmal einen Pivot-Monitor benutzt? Zum Vergleich: das ohnehin schmale iPhone liegt, auf den gleichen Nenner gebracht bei nochmals breiteren 10.66:16 oder 0.66:1

Für Apps und das Web bedeutet das also, dass das iPad hoch wie quer gehalten sinnvoll gehalten werden kann und noch Platz für die Onscreen-Tastatur hat.

Für Video-Inhalte bedeutet der 4:3-Bildschirm, dass wir uns, wie auch auf dem iPhone, zwischen Letterboxing und Cropping entscheiden dürfen. Was bei 16:9-Content, der für die Röhrenfernsehverwertung mitunter auch mit Beschnitt im Hinterkopf produziert wird, mit leichten Schmerzen vielleicht noch durchgeht, endet bei Cinemascope-artigen Bildern mit heftigen Pan&Scan-Krämpfen und ca. 40% Bildverlust.

Skalieren muss das iPad den Bildinhalt bei 720p-Material, wie man es im iTunes Store vorfindet, ohnehin. Entweder die 1280 Pixel in der Breite auf 1024 Pixel, oder 720 Pixel in der Höhe auf 768 Pixel. HD-Ready-Fetischisten werden auch hier nicht bedient. SD-Material muss ebenso in alle Richtungen vergrößert werden.

Angenehmer Nebeneffekt, der in der letzten Woche viel zu oft unter den Tisch fallen gelassen wurde: ungezählte Millionen von Sendeminuten von gutem, altem 4:3-Fernsehprogramm passen, zumindest vom Seitenverhältnis her, wie angegossen in das iPad. Früher war das Programm, wie alles andere auch, ohnehin besser.