2.03.2010 / Timo Hetzel

uCDN

Heute basteln wir uns ein Content Delivery Network.

Eine Folge Bits und so ist im Schnitt etwa 50-70MB groß. Für den Hörer mit Breitbandanschluss keine besonders große Datei, für mich als Anbieter allerdings ein immer größer werdendes Problem.

Viele Hörer von Bits und so laden die Folge sofort nach Erscheinen herunter, der Peak in der Bandbreite und den Requests hält meist einige Stunden an. Genug, um einen einzelnen (wenn auch etwas schwachbrüstigen) Server in die Knie zu zwingen. Den Webserver, der jetzt nur noch das Blog und den Feed hostet, haben wir schon vor einigen Monaten durch ein leistungsstärkeres Modell ersetzt, nachdem der Vorgänger zuverlässig jedes Wochenende überlastet war.

Die Mediendateien waren bisher für bezahlte Inhalte aus der Undsoversity bei Amazon S3 gehostet, die kostenlosen Downloads für die Audio-Podcasts bei Dreamhost in den USA, und die Downloads für Plus-Mitglieder auf einem dedizierten physikalischen Server bei einem deutschen Hoster.

Die Aufgabenstellung ist also, die Mediendateien vorzuhalten, die Bandbreitenspitze kurz nach der Veröffentlichung abzufangen, und in der Summe den Traffic günstig einzukaufen.

Ich behaupte ab und an gerne, dass Content Delivery ein gelöstes Problem sei. Das ist vor allem dann richtig, wenn man von bezahltem Content spricht. Dienste wie iTunes oder die Undsoversity können leicht einige Cent pro Gigabyte Traffic in den Preis des Angebots einkalkulieren. Bei kostenlosen oder unregelmäßig werbefinanzierten Angeboten fällt das schon deutlich schwerer.

Eine großzügige Schätzung des Trafficbedarfs für das Undsoversum liegt momentan bei etwa 20TB pro Monat. Eingekauft bei CDN-Anbietern wie CacheFly oder Amazon Cloudfront kostet dieses Volumen rund 2000€ pro Monat. Der Vorteil bei dieser Lösung: Die Dienste skalieren automagisch in der Wolke, sichern die Daten redundant ab, und man hat kaum Setup-Aufwand. Der Nachteil ist der exorbitante Preis.

Die verlockende Alternative scheinen Hostingangebote mit unlimitiertem Datentransfer zu sein, die man bei den großen deutschen Hostern finden kann. Aus persönlicher Erfahrung scheitern diese Angebote an mindestens einem von zwei Haken: Entweder ist das Angebot nur so lange unlimitiert, wie man eine nicht näher spezifizierte Grenze nicht überschreitet, oder die Hardware/Netzwerkanbindung ist dem wöchentlichen Peak nicht gewachsen und liefert im Ernstfall keinen oder unbefriedigenden Durchsatz pro User.

Unser Lösungsansatz: Wir mieten günstige Server mit weichem Trafficlimit und jeweils 100MBit-Anbindung. Je nach Anbieter sind z.B. pro Server 5TB Traffic pro Monat inklusive. Sollte dieses Limit überschritten werden, halten sich die Kosten auch noch in Grenzen. Sollte sich abzeichnen, dass regelmäßig mehr Bedarf entsteht, lassen sich leicht weitere Server anmieten. Nach unten skaliert diese Lösung aufgrund von Vertragslaufzeiten und/oder Setup-Gebühren nicht ohne weiteres.

Pro Server stehen damit also 100MBit Bandbreite zur Verfügung. Genug, um auch einem Ansturm von tausenden gleichzeitigen Clients gewachsen zu sein. Die Downloads sind dann ja auch innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen und der Server ist wieder frei.

Die Verteilung der Mediendateien auf die Medienserver erledigt lsyncd, der ab Linux Kernel 2.6 funktioniert und bei Veränderungen in definierten Verzeichnissen die Dateien zwischen den Maschinen synchronisiert.

In der Summe stehen jetzt also über 500MBit Bandbreite und über 20TB an Traffic zur Verfügung, für einen Bruchteil der Kosten, die bei einem “richtigen” CDN-Dienstleister anfallen würden. Der Nachteil ist natürlich der relativ hohe Setup-Aufwand und eine relativ schlechtere Flexibilität bei extremen Bandbreiten- oder Trafficspitzen.

4.02.2010 / Timo Hetzel

iPad-Verhältnisse

Mit den Seitenverhältnissen ist es so eine Sache. Seelisch unausgeglichenen Menschen scheint es mitunter ein Dorn im Auge zu sein, dass sich die Welt nie auf ein wahres, allgemeingültiges Seitenverhältnis für rechteckige Bildinhalte einigen konnte.

ipad-letterboxedFernsehen kommt bis heute oft genug mit 4:3 (1.33:1) aus der Röhre, Kinofilme meist zwischen 1.85:1 und 2.35:1 auf die Leinwand, und mit HD-Fernsehen dank Dr. Kerns irgendwie mit 16:9 (1.78:1) mit mehr oder weniger Beschnitt und/oder schwarzen Letterbox-Balken oder in der einen oder anderen Geschmacksrichtung anamorph auf den Schirm. HDTV ist die Zukunft (schon seit 2005!), und kaum haben wir uns an 16:9 gewöhnt und auch weiterhin als die Zukunft akzeptiert, kommt das iPad von hinten links mit einem 4:3-Display. Warum nur?

Neben der schlechten Verfügbarkeit von IPS-Panels mit 1280×720 Pixeln (16:9) oder 1280×800 (16:10) in der passenden Größe im Bereich um 10″ gibt es einen weiteren einfachen Grund gegen ein breites iPad:

Hochkant würde das 9:16 (0.56:1) bzw 10:16 (0.63:1) ergeben, was elend schmal ist. Schonmal einen Pivot-Monitor benutzt? Zum Vergleich: das ohnehin schmale iPhone liegt, auf den gleichen Nenner gebracht bei nochmals breiteren 10.66:16 oder 0.66:1

Für Apps und das Web bedeutet das also, dass das iPad hoch wie quer gehalten sinnvoll gehalten werden kann und noch Platz für die Onscreen-Tastatur hat.

Für Video-Inhalte bedeutet der 4:3-Bildschirm, dass wir uns, wie auch auf dem iPhone, zwischen Letterboxing und Cropping entscheiden dürfen. Was bei 16:9-Content, der für die Röhrenfernsehverwertung mitunter auch mit Beschnitt im Hinterkopf produziert wird, mit leichten Schmerzen vielleicht noch durchgeht, endet bei Cinemascope-artigen Bildern mit heftigen Pan&Scan-Krämpfen und ca. 40% Bildverlust.

Skalieren muss das iPad den Bildinhalt bei 720p-Material, wie man es im iTunes Store vorfindet, ohnehin. Entweder die 1280 Pixel in der Breite auf 1024 Pixel, oder 720 Pixel in der Höhe auf 768 Pixel. HD-Ready-Fetischisten werden auch hier nicht bedient. SD-Material muss ebenso in alle Richtungen vergrößert werden.

Angenehmer Nebeneffekt, der in der letzten Woche viel zu oft unter den Tisch fallen gelassen wurde: ungezählte Millionen von Sendeminuten von gutem, altem 4:3-Fernsehprogramm passen, zumindest vom Seitenverhältnis her, wie angegossen in das iPad. Früher war das Programm, wie alles andere auch, ohnehin besser.

2.02.2010 / Timo Hetzel

Bits und so – Das T-Shirt

bitsundso-tshirtMerchandising, Merchandising, Merchandising!

Im Undsoversum Shop bei Bits und so gibt bis zum 1. März das offizielle Bits und so-T-Shirt zusammen mit Bits und so Plus zu kaufen.

Gedruckt und verschickt wird die limitierte Auflage dann Anfang März.

Und das beste: Das T-Shirt ist garantiert Gema-frei.

22.01.2010 / Timo Hetzel

Tablett-Bingo

tablet-bingoIch habe mich ja schon gefragt, wo die diesjährigen Bingokarten bleiben. Bis jetzt habe ich noch keine gefunden, und deswegen gibt es zum Apple-Event am 27. Januar eine Tablett-Bingokarte zum Selberbauen:

Einfach die eigenen Voraussagen ankreuzen, und am Mittwoch die gewonnenen Felder markieren. Wer fünf in einer Reihe hat, gewinnt. Das mittlere Bits und so-Feld steht für alle Gerüchte, die nicht explizit aufgeführt sind und ist damit der Joker.

Wir spielen voraussichtlich am Donnerstag Mittag zusammen bei Bits und so Live Bingo.

Update: Und hier ist die Musterlösung. Danke fürs Mitspielen. Wer hat gewonnen?

Build Your Own Tablet Bingo Card

  • Check all applicable rumors on your Bingo Card
  • Watch the January 27th event unfold
  • Blame nobody but yourself
13.01.2010 / Timo Hetzel

iPhone-Praktikum

Neben den stets gern gesehenen Langzeitpraktikanten suche ich derzeit auch nach Unterstützung für ein überschaubares kleines Projekt.

Wenn du etwas C sprichst, keine Angst vor einem Jailbreak hast, und dich in Quartz Composer einarbeiten willst, bewirb dich bitte per Mail.

Du solltest volljährig und z.B. in den Semesterferien durchgehend in München sein.

Update: Stellenausschreibung in der Job- und Praktikumsbörse der TU München

9.01.2010 / Timo Hetzel

Bits und so ReLive

Wir experimentieren zur Zeit mit neuen Methoden für Live-Streams von “Bits und so”.

Das Problem mit dem ganzen Live- und Echtzeit-Web: Das bringt alles nichts, wenn der Hörer gerade keine Zeit hat.

HTTP Live Streaming kann damit weiterhelfen – denn es unterstützt trotz des “Live” im Namen sehr wohl auch On-Demand-Streams.

Ab dieser Woche wird deswegen der Live-Streams der Sendung unter relive.bitsundso.de sofort nach dem Ende der Aufzeichnung als On-Demand-Stream zur Verfügung gestellt und füllt damit die Lücke zwischen der Aufzeichnung und der Veröffentlichung der bearbeiteten Podcast-Episode.

Bits und so ReLive startet wie gewohnt in einem Beta-Betrieb für alle Plus-Mitglieder, ohne Anspruch auf gegenwärtige oder zukünftige Verfügbarkeit.

Die Magie passiert in zwei Perl-Skripten, die die Stream-Segmente umkopieren und die ReLive-Playlisten generieren. Sie lassen sich für die eigenen Bedürfnisse anpassen.

3.01.2010 / Timo Hetzel

iTunes Connect

iTunes wird in diesen Tagen neun Jahre alt, der iTunes (Music) Store feiert im Frühjahr seinen siebten Geburtstag. Nach außen haben sowohl die Applikation als auch der Store viel dazugelernt: Nach der Musik kamen Podcasts, Fernsehserien, Filme und zuletzt Apps für iPhone und iPod touch.

Intern werden all diese Inhalte aber wie in der ersten Stunde wie Musik behandelt. Die Metadaten in der Applikation und im Store heißen nach wie vor: Album, Interpret, Komponist usw.

Die Schmerzen, die bei der Verwaltung dieser Inhalte in der Applikation damit einhergehen, variieren von Version zu Version, und wurden gerade in iTunes 9 mit den Verbesserungen beim Synchronisieren von externen Geräten etwas gelindert. Gleichzeitig wird mit solchen Updates auch gerne immer mehr Komplexität und Unzuverlässigkeit eingebaut.

Nachdem nun die Undsoversity-App im Store ist, sehe ich zum ersten Mal die andere Seite des Stores. Und hier ist die Alles-ist-Musik-Philosophie natürlich auch quicklebendig und wesentlich schlechter kaschiert als in der Applikation.

Es geht um das Reporting für die Verkäufe von Apps im iTunes Connect-Portal. Im Titel der Seiten steht auch noch unmissverständlich der alte Name “iTunes Label Connect”. Die Schnittstelle also, über die die Plattenfirma/der Entwickler, seine Langspielplatten/Apps in den Store einstellen kann. Links oben angeflanscht ist das Reporting-Modul namens “Piano”, über das sich Statistiken über Downloads und Verkäufe einsehen lassen.

Die Statistiken können in Form von HTML-Previews eingesehen werden (Monthly Free/Weekly/Daily Top 50), oder als CSV-Dateien heruntergeladen werden. Das Support-Dokument warnt schon vorsorglich: Die Zahlen der wöchentlichen Reports müssen nicht mit der Summe der täglichen Reports übereinstimmen.

iTunes Label ConnectDer Firmenname steht unter “Artist / Show” (nicht bei In-App-Purchases), die Musik-spezifischen Felder wie ISRC und ISAN sind natürlich auch vorhanden (und leer), und die Statistik ist unsortiert nach den nationalen App Stores aufgegliedert. Auf einen Blick ist nicht einmal der geschätzte Umsatz für den angezeigten Zeitraum ersichtlich. Meine Stats enthalten zur Zeit nicht mehr als 50 Einträge, aber das dürften viele Anbieter leicht überschreiten. Alle weiteren Einträge fallen unten durch.

Drittanbieter wie appFigures helfen dabei, die Daten sinnvoll auszuwerten. Oder der Entwickler schraubt sich selbst Skripte, um die Zahlen im Auge zu behalten. Doppelt, versteht sich. Irgendwo zwischen den Überschneidungen von wöchentlichen und täglichen Zahlen dürfte sich die Wahrheit ja befinden. Letztendlich maßgeblich ist ohnehin nur der monatliche, selbstverständlich unabhängig von den Piano-Reports erstellte, Financial Report, der weder nach den täglichen oder wöchentlichen Zahlen (Montag-Sonntag) erstellt wird, sondern nach einer Woche von Sonntag bis Montag rechnet, und somit gänzlich unnachvollziehbar ist. Wer ein Päuschen einlegt, hat auch verloren, denn die täglichen Reports löschen sich nach einer Woche, die wöchentlichen nach 13 Wochen.

Update: Der Wahnsinn hat Prinzip. Die Financial Reports werden monatlich generiert, und das Geld so lange gesammelt, bis pro “Currency/Territory” ein Gegenwert von 150 US-Dollar erreicht wird. Das heißt, pro größerer Region wie USA, Kanada, Japan und Europa wird jeweils (!) bis zum Auszahlungsminimum von 150 USD gesammelt und erst dann ausgezahlt. Unter der Annahme, die nationalen Stores erfüllten einen größeren Sinn und Zweck (tun sie zwar nicht, aber nehmen wir es mal an), kann das vermutlich buchhalterisch nachvollzogen werden. Für Klein- und Kleinstentwickler kann das auch bedeuten, dass über Monate mehrere hundert Dollar nicht ausgezahlt werden. Für Entwickler mit größeren Umsätzen ist es zumindest noch extrem unübersichtlich.

Die Reports in iTunes Connect sind sicherlich ein Fortschritt gegenüber dem Zustand zum Anfang des App Stores (da gab es Reports nach Wochen oder Monaten), aber das Problem sitzt tiefer. iTunes kennt nur Musik, und das Reporting läuft scheinbar jetzt schon auf Anschlag. Über die Weihnachtsfeiertage wurde iTunes Connect und das Reporting abgeschaltet, um einen negativen Einfluss des Reportings auf den Store zu vermeiden.

Apple sitzt in einer wunderschönen Zwickmühle: iTunes ist neun Jahre alt und riecht schon etwas komisch. Läuft aber mehr oder weniger und druckt indirekt über den Verkauf von Devices Geld ohne Ende. Eine gründliche Überarbeitung ist aber mehr als überfällig, in der Applikation und im Store. Dazu gehört auch ein zeitgemäßes Reporting, vielleicht sogar mit einer Anbindung externer Dienste wie Google Analytics.

15.12.2009 / Timo Hetzel

Undsoversity im App Store

undsoversity-app-1.0Die Workshops aus der Undsoversity können jetzt auch direkt auf dem iPhone oder iPod touch angesehen und gekauft werden. Zu jedem Workshop sind einige Folgen kostenlos verfügbar, die kompletten mehrstündigen Workshops können dann über In-App-Käufe direkt auf dem mobilen Endgerät gekauft, bezahlt, und heruntergeladen werden.

Die Käufe beinhalten auch die 720p HD-Versionen der Videos, die weiterhin über iTunes für Mac oder PC heruntergeladen werden. Dazu kann in der App ein Download-Link für iTunes angefordert werden und per E-Mail an sich selbst geschickt werden.

available-on-the-app-storeDie Undsoversity App für iPhone und iPod touch ist jetzt gratis im App Store verfügbar.

Im Dezember gibt es im App Store 20% Rabatt auf den regulären Preis der Workshops.

Vielen Dank an die Praktikanten, Florian Reinhart und Daniel Büchele, die die Programmierung auf dem iPhone und die Anbindung an das Shop-System auf dem Server dafür übernommen haben.

9.12.2009 / Timo Hetzel

iTunes «Rewind 2009

Zu jedem Jahresende sucht die iTunes-Redaktion Highlights aus dem iTunes Store zusammen und bietet neben einem Wiederkäuen der Musikcharts damit auch einen Blick auf die nationalen Podcast-Angebote und deren Nutzung.

Bits und so ist in seinem dritten Jahr zum dritten Mal in Folge in der Podcast-Abteilung vertreten, dieses Jahr als “Audio Klassiker”, und mächtig stolz darauf.

iTunes Rewind 2009 DEWenn man sich allerdings ein wenig in der Liste im deutschen Store umsieht, muss man sich auch (und vielleicht endgültig) damit anfreunden, dass die Podcast-Blase hierzulande geplatzt ist, bevor sie überhaupt aufgepustet wurde. Neben sehr, sehr wenigen unabhängigen Projekten (z.B. Bundesradio, Spieleveteranen) stehen zwei metrische Tonnen an einfallslosem Zweitverwertungsmaterial von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk.

Ein Blick nach Amerika zeigt, wie es auch anders gehen könnte.

iTunes Rewind 2009 USIm US-iTunes Store findet sich in der iTunes Rewind-Liste eine angenehme Mischung aus Zweitverwertung von Rundfunk-Content, Ablegern von Online-Medien, Inhalte von neu entstandenen Netzwerken wie Revision3 und sogar dem einen oder anderen Einzelkämpfer. Das nennt sich dann Online Personality. Selbst Old, Old Media wie die New York Times oder das Wall Street Journal haben das Potential für sich erschlossen und lassen die verbleibenden Redakteure Videos produzieren.

Von einer solchen Vielfalt können wir im deutschsprachigen Raum nur träumen. Die privaten Medienhäuser sind nicht beweglich genug und die Öffentlich-Rechtlichen werden von den Privaten ausgebremst. Wo der Rest bleibt, darüber darf wohl spekuliert werden.

Immerhin findet sich in der deutschen Liste die 6-Minute-English Sendung der BBC, um Englisch zu lernen und dem Einerlei deutscher Radio-Comedy und Werbeclips der Filmverleiher zu entrinnen, und künftig die englischsprachigen Angebote nutzen zu können.

Deutschland hinkt, wie so oft, hinterher. Diese Entwicklung ist sehr zu bedauern, denn die Möglichkeiten, die originäre episodische Inhalte im Netz bieten, sind vielfältig und großartig. Habe ich gehört. Im Internet.

5.12.2009 / Timo Hetzel

HTTP Live Streaming

Mit Snow Leopard und dem iPhone OS 3.0 hat Apple eine neue Technologie vorgestellt und bei der IETF als Standard vorgeschlagen, mit der On Demand- oder Live-Medien-Streams verbreitet werden können: HTTP Live Streaming.

Für die Bits und so Plus-Mitglieder bieten wir seit einiger Zeit einen Audio-Live-Stream während der Aufzeichnung der Sendung an, der über Icecast verbreitet wird. Das funktioniert zwar hinreichend gut, hat aber gerade beim mobilen Empfang einige Schwierigkeiten:

Mehrere Qualitätsstufen sind zwar möglich (bieten wir momentan auch nicht an), müssten aber vom Empfänger manuell ausgewählt werden. Nutzt der Hörer einen mit einer Bitrate, die für das Netz zu hoch ist, bricht der Stream ab, einen automatischen Fallback gibt es nicht. Das QuickTime-Plugin im mobilen Safari auf dem iPhone bricht außerdem den Stream gerne beim Wechsel von Wifi nach 3G oder EDGE ab.

Unter anderem diese beiden Probleme soll HTTP Live Streaming lösen.

Der elementare Medienstream (MP3, H.264, AAC) wird durch einen Segmenter geschickt, der Segmente von gleicher Laufzeit (z.B. 10 Sekunden) erzeugt, und in einen MPEG2-Transportstream verpackt (für H.264, AAC). Diese Segmente werden auf einem HTTP-Server abgelegt.

Referenziert werden die verschiedenen Qualitätsstufen und die Segmente über Playlists, nicht unähnlich einer M3U-Datei, die man noch vom guten alten Winamp kennt.

Daraus resultiert auch die leichte Skalierbarkeit: Wenn alle Bits über HTTP ausgeliefert werden, kann man ein CDN wie Akamai oder Amazon S3/Cloudfront nutzen. Akamai hostet auch eine Seite mit Demo-Streams.

Wir schicken das Live-Signal mit Nicecast auf den Server, dort wird es wie bisher über Icecast ausgeliefert, und zusätzlich für HTTP Live Streaming abgegriffen und weiterverarbeitet. Angenehmer Nebeneffekt: Die Playlist der Segmente kann ein gleitendes zeitliches Fenster enthalten, in dem sich der Client frei bewegen kann. Sprich: Im Live-Stream kann zurückgespult werden.

Apple hat wohl vorerst die alte Content-Industrie im Auge. Die Dokumentation empfiehlt Broadcast-grade Hardware-Encoder, die beim Fernsehsender ohnehin schon in den Schrank geschraubt sind. Außerdem ist es potentiell eine Grußkarte in Richtung Adobe für das Streaming von Medieninhalten.

Der (offene) Software-Support dagegen muss erst noch geschrieben werden. Ein guter Startpunkt sind die Skripte von Carson McDonald, die einen Stream z.B. über den QuickTime Broadcaster entgegennehmen, mit ffmpeg in verschiedenen Qualitätsstufen encodieren und segmentieren, und per S3/Cloudfront ausliefern. Die Kosten dafür halten sich auch in erfreulichen Grenzen. Für 5 Minuten Video für 100 Zuseher rechnet er mit 0,20 USD.

Der Support auf Client-Seite könnte auch noch verbessert werden: QuickTime X unterstützt, trotz anderslautendem Marketingmaterial, noch keine Authentifizierung für die Playlisten. Auf dem iPhone dagegen funktioniert das schon, und auch das Umschalten zwischen den verschiedenen Qualitätsstufen der Streams je nach Verbindungsgeschwindigkeit scheint zuverlässig bei Tempo 160 auf der Autobahn zu klappen.

Steht sicher noch am Anfang, ist aber sehr vielversprechend, dieses HTTP Live Streaming.

Update: eine detaillierte technische Anleitung zu unserem Setup gibt es bei Thorsten Philipp